
Europäische Hafenallianz für Sicherheit
30. Juli 2026Gemeinsame Medienmitteilung des Schifffahrts- und Hafenverbands Schweiz SVS und der Handelskammer beider Basel.
Die anhaltend tiefen Wasserstände auf dem Rhein setzen eine der wichtigsten Verkehrsachsen Europas unter Druck. Die Handelskammer beider Basel und der Schifffahrts- und Hafenverband Schweiz SVS fordern die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) daher auf, rasch Strategien zu entwickeln, um den Rhein als verlässliche und nachhaltige Verkehrsachse zu sichern und die Rheinschifffahrt auch in künftigen Niedrigwasserphasen zu gewährleisten. Für die Versorgungssicherheit der Schweiz und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts ist dies zentral.
Der Rhein verbindet die Schweiz mit dem Meer und mit internationalen Märkten. Mehr als zehn Prozent der Schweizer Importe gelangen über diesen Wasserweg ins Land. Für zahlreiche Industrie- sowie Handels- und Logistikunternehmen in der Region ist die Rheinschifffahrt ein unverzichtbarer Teil ihrer Lieferketten. Ist diese wichtige Transportachse beeinträchtigt, stellt dies nicht nur die Wirtschaft vor Herausforderungen, sondern gefährdet auch die Versorgungssicherheit der Schweiz.
Mit einem Pegelstand von nur noch 17 Zentimetern bei Kaub am Mittelrhein erreichte der Rhein am Mittwoch einen neuen historischen Niedrigstand und unterschritt den bisherigen Rekord von 25 Zentimetern aus dem Jahr 2018. Kaub gilt als entscheidende Engpassstelle und ist damit ein wichtiger Indikator für die Befahrbarkeit der gesamten Wasserstrasse.
Rasch Strategien entwickeln
Die Handelskammer beider Basel und der Schifffahrts- und Hafenverband Schweiz SVS
fordern daher die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) auf, rasch Strategien zu entwickeln, um den Rhein als verlässliche und nachhaltige Verkehrsachse zu sichern und die Rheinschifffahrt auch in künftigen Niedrigwasserphasen zu gewährleisten.
«Der Rhein ist weit mehr als ein Gewässer. Er sichert als zentrale Verkehrsachse Versorgung, Wertschöpfung und Wohlstand. Deshalb müssen wir alles daransetzen, dass die Schifffahrt auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zuverlässig funktionieren kann», betont Martin Dätwyler, Direktor Handelskammer beider Basel. SVS-Geschäftsführer Simon Oberbeck erläutert: «Dazu zählen der Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur, die Förderung technischer Innovationen in der Binnenschifffahrt sowie die Optimierung des grenzüberschreitenden Wasserstrassenmanagements.» Die Schweiz soll dabei ihre derzeitige Präsidentschaft in der ZKR nutzen, um die Weiterentwicklung der Rheinschifffahrt aktiv voranzutreiben.
Wirtschaft braucht starken Rhein
Auch aus Sicht der Wirtschaft besteht dringender Handlungsbedarf. «Der Rhein ist für unser Unternehmen ein zentraler Verkehrsweg. Er bietet grosse Transportkapazitäten, eine hohe Effizienz und ist zugleich einer der nachhaltigsten Verkehrsträger. Eine langfristige Sicherung der Schifffahrt auf dem Rhein ist deshalb für die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung von grosser Bedeutung», bekräftigt Thomas Knopf, CEO Ultra-Brag AG.
Wirtschaft steht unter Druck
Wie gross die Auswirkungen durch niedrige Pegelstände sind, zeigt eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) entlang des Rheins. Drei Viertel der befragten Unternehmen geben an, vom Niedrigwasser betroffen zu sein. Auch am Oberrhein, dem Abschnitt zwischen Karlsruhe und Basel, trifft dies auf rund 75 Prozent der befragten Unternehmen zu. Schiffe können weniger Ladung transportieren, wodurch Transporte für rund die Hälfte der befragten Unternehmen am Oberrhein aufwendiger und teurer geworden sind. Bei rund einem Fünftel sind die Logistikkosten um 50 Prozent oder mehr gestiegen. Über 40 Prozent gaben an, ihre Logistikprozesse umzustellen. Knapp 14 Prozent der Unternehmen am Oberrhein schränken die Produktion ein.
Jetzt entschlossen handeln
«Die aktuellen Tiefstände zeigen deutlich, wie wichtig es ist, diese zentrale Lebensader für Wirtschaft und Gesellschaft zu sichern. Transporte auf die Schiene und Strasse zu verlagern, sind keine Alternativen, da auch sie bereits stark ausgelastet sind. Die Folgen dieser Engpässe erleben wir tagtäglich. Deshalb braucht es jetzt entschlossenes Handeln, um die Leistungsfähigkeit des Rheins langfristig zu sichern», so Dätwyler. Die Anliegen bringt die Handelskammer auch auf europäischer Ebene ein. Als Mitglied der Union Europäischer Industrie- und Handelskammern für Verkehrsfragen (UECC) setzt sie sich gemeinsam mit rund 50 regionalen Industrie- und Handelskammern aus Europa für eine wirtschaftsorientierte Verkehrspolitik und die langfristige Sicherung der Wasserstrassen im Einzugsgebiet von Rhein, Rhone, Donau und Alpen ein.




