
SVS-Leitfaden zu den neuen Umschlags- und Verladebeiträgen
25. August 2026Hester Duursema, Generalsekretärin der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt ZKR, geht in einem Gastbeitrag auf die aktuellen Herausforderungen mit niedrigen Pegelständen ein und betont die Wichtigkeit von Investitionen in die Wasserstrasse.
Der Wasserstand des Rheins ist niedrig, doch das Wasser fliesst weiterhin.
Eine aussergewöhnlich frühe und ausgeprägte Niedrigwasserperiode hat die Schiffe dazu gezwungen, ihre Ladungen zu reduzieren, und die Betreiber dazu, ihre Fahrpläne fast ununterbrochen neu zu planen. Dennoch ist die Schifffahrt nicht zum Erliegen gekommen. Die Schiffsführer nutzen jeden Zentimeter des verfügbaren Wassers optimal aus, die Betreiber passen den Schiffeinsatz an, und die Logistikketten stellen sich entsprechend ein. Investitionen in die Modernisierung der Flotte, kombiniert mit Erfahrung, Flexibilität und Innovation, tragen dazu bei, Europas verkehrsreichste Binnenwasserstrasse für den Verkehr offen zu halten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Niedrigwasser ohne Folgen bleibt. Da die Schiffe weniger Fracht befördern können, sind mehr Fahrten erforderlich, um die gleichen Mengen zu transportieren. Die Kosten steigen, die Planung wird komplexer und die Lieferketten geraten unter Druck. Eine Wasserstrasse kann technisch befahrbar bleiben, während ihre wirtschaftliche Nutzung zunehmend schwieriger wird.
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Der Zeitpunkt der aktuellen Niedrigwasserphase macht die Situation besonders herausfordernd. Zu Beginn des Sommers wurden aussergewöhnlich niedrige Wasserstände erreicht, nachdem der Rhein bereits mit reduzierten Wasserreserven in die Saison gestartet war – bedingt durch einen trockenen Winter, eine geringe Schneedecke und ein anhaltendes Niederschlagsdefizit.
Die Erfahrungen der Jahre 2018 und 2022 haben jedoch die Art und Weise verändert, wie sich die Branche vorbereitet. In ihrem Reflexionspapier «Act Now!» hat die ZKR Massnahmen identifiziert, die von besseren Vorhersagen und der Anpassung der Flotte bis hin zu widerstandsfähigeren Lieferketten und Massnahmen gegen Infrastrukturengpässe reichen. Die aktuelle Situation stellt diese Massnahmen nun auf die Probe.
Einige Unternehmen haben dank verbesserter Vorhersagen mehr Zeit, sich vorzubereiten. Andere können auf angepasste, leichtere Schiffe, zusätzliche Lagerbestände oder eine flexiblere Logistik zurückgreifen. Doch Widerstandsfähigkeit hat ihre Grenzen – und ihre Kosten. Die Herausforderung besteht nicht mehr nur darin, ob die Binnenschifffahrt ein einzelnes Niedrigwasserereignis bewältigen kann, sondern ob sie wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleibt, sollten solche Ereignisse häufiger oder langanhaltender werden.
Dies ist weit über den Fluss hinaus von Bedeutung. Der Rhein befördert grosse Gütermengen, die sich nicht ohne Weiteres auf Strasse oder Schiene verlagern lassen. Seine Zuverlässigkeit ist daher nicht nur für die Binnenschifffahrt, sondern auch für die europäische Industrie und die Lieferketten von entscheidender Bedeutung.
Die aktuelle Situation entwickelt sich noch weiter, und ihre vollständigen Auswirkungen lassen sich erst im Nachhinein beurteilen. Die ZKR wird die im Rahmen von «Act Now!» eingeleiteten Arbeiten weiter ausbauen, Lehren aus der aktuellen Lage ziehen und eine Plattform für die Zusammenarbeit zwischen den Rheinanliegerstaaten bereitstellen.
Um den Rhein in einem sich wandelnden Klima in Bewegung zu halten, sind kontinuierliche Anpassungen, Investitionen und Zusammenarbeit erforderlich – damit diese lebenswichtige Wasserstrasse ein zuverlässiges Rückgrat der europäischen Verkehrs- und Lieferketten bleibt.




