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Sicherheit im Hafenbahnbetrieb
23. Februar 2026Unter dem Titel «Cisalpina-Rätsel fast gelöst» wurde in «SVS aktuell» Nr. 8/2020 unter anderem ein Bild des TMS SESTRUNJ erwähnt und die Vermutung angedeutet, dass es sich dabei um die CISALPINA 9 handeln könnte, die 1947 im Rheinschiffsregister Basel eingetragen und 1949 mit dem Vermerk «Untergang» wieder gelöscht wurde, weil das Schiff unter mysteriösen Umständen verschwand. So etwas hält man zwar im Bermudadreieck für möglich, nicht aber im dicht befahrenen Seegebiet vor Neapel. Man muss nicht alle Brunetti-Krimis von Donna Leon gelesen haben um zu erahnen, dass die Mafia gute Beziehungen pflegt zu gewissen einflussreichen Beamten und Politikern – und das nicht nur in Italien. Honi soit qui mal y pense.
Das erwähnte Bild hat der kroatische Shiplover Marijan Zuvić in einem Album der Abwrackwerft Brodospas in Sveti Kajo (Ortsteil von Split) entdeckt. Es wurde kurz vor der Verschrottung des TMS SESTURNJ im Jahr 1973 aufgenommen.
Theo Dorgeist (inzwischen leider verstorben) vom Forum Marine Archiv hat in dieser Angelegenheit recherchiert. Er fand heraus, dass es sich beim TMS SESTURNJ nicht um CISALPINA 9 handelt, sondern um das ehemalige TMS SPERBER (KT 504).
In den Jahren 1941/42 baute «de Vooruitgang» D. en Joh. Boot in Alphen a/d Rijn unter der Bezeichnung KT (Küstentanker) 51 – 58 und 501 – 520 insgesamt 28 Tankpénichen für das Seewesen der deutschen Luftwaffe (existierte von 1933 bis 1945). 18 davon erhielten Namen von Seevögeln. Sie dienten u.a. der Versorgung von Seeflugzeugen und U-Booten. Dazu leisteten sie Hafendienst. Dem Vernehmen nach überquerten einige das Mittelmeer mit Nachschub für Rommels Nordafrikakorps.
Der SPERBER wurde nach Einsätzen in Genua, Livorno und Neapel am 8.9.1943 im Hafen von Piombino in Kampfhandlungen verwickelt. Danach gelang ihm die Flucht nach Frankreich. Nach Zerlegung in Marseille reiste er per Bahn nach Breda (Provinz Treviso). Nach dem Zusammenbau wurde er der 6. Luftwaffen-Transportflotille in Venedig zugeteilt. Um nicht in die Hände der jugoslawischen Armee zu fallen, hat ihn die eigene Crew am 2.5.1945 selbst versenkt.. Ende 1945 erfolgte die Hebung und Übernahme durch die jugoslawische Marine als Kriegsbeute. Er fand Verwendung als Bunkerboot. Schliesslich wurde er 1962 verkauft an die Jugoslavenska Tankerska Plovidba in Zadar und umgetauft in SESTRUNJ.
Urs Vogelbacher



